von tieren und pflanzen

Von Tieren und Pflanzen, 2018

“Vielleicht lässt sich künstlerisches Talent ja auch gerade daran erkennen, dass es sich jemand mit der Kunst und der Welt nicht einfach macht – und dabei auf Dinge kommt, die auf gespenstische Weise selbstverständlich wirken. So wie Anne Arndts Nachbau eines Wartezimmers mit grauen Sitzschalen, Lesezirkel-Heften, Fernsehschirm und Snackautomat, aus dem allerdings nicht Salzgebäck und Süßigkeiten gezogen werden können, sondern Verteidigungswaffen für Frauen. Auf Knopfdruck und nach Geldeinwurf fallen Reizgaspistolen, Elektroschocker oder Alarm-Lippenstifte in den Automatenschacht, und zwar jeweils als handelsübliche Originalware in Mädchenrosa. Für Arndt ein realistisches Geschäftsmodell. Auf dem Fernsehschirm an der Wand ziehen Bilder aus Google Street View vorüber, die Kölner „Ablageorte“ von mit K.o.-Tropfen betäubten und missbrauchten Frauen zeigen. Auf der Tonspur sind bürokratisch und durchaus hilflos klingende Tipps der Polizei zu hören, wie sich Frauen gegen dergleichen Übergriffe schützen sollen. Der Selbsthilfeautomat erscheint in dieser Konstellation als bessere Alternative; jedenfalls ist er schon beinahe leer „gesnackt“.” – Michael Kohler (KSTA, Kultur)

Der Titel abgeleitet aus einem Zitat von Hegel: „Frauen können wohl gebildet sein, aber für die höheren Wissenschaften, die Philosophie und für gewisse Produktionen der Kunst, die ein Allgemeines fordern, sind sie nicht gemacht. Frauen können Einfälle, Geschmack, Zierlichkeit haben, aber das Ideale haben sie nicht. Der Unterschied zwischen Mann und Frau ist die des Tieres und der Pflanze: das Tier entspricht mehr dem Charakter des Mannes, die Pflanze mehr dem der Frau (…).“ G.W.F. Hegel: Grundlinien der Philosophie des Rechts, Frankfurt/M. 1970, S. 319 (Zusatz zu Paragraph 166)

A replica waiting room with grey seats, magazines, a TV screen and a snack vending machine, however, not salty biscuits and sweets can be drawn, but self-defence weapons for women. At the push of a button and after inserting money, irritant gas pistols, stun guns or alarm lipsticks fall into the machine shaft, each as commercially available original goods in girly pink. On the TV screen on the wall, pictures from Google Street View pass by showing Colognes “dumping grounds” of women drugged and abused with knockout drops. On the soundtrack, bureaucratic and thoroughly helpless-sounding tips from the police, on how women should protect themselves from such assaults, can be heard. Video work as reconstruction. Google Street View is not only a daily orientation aid, already used in dementia therapy as a memory stimulant. At the documented locations in Cologne, original ambient sounds were recorded via field recorders. The title is derived from a quote by Hegel. “The difference between man and woman is the same as that between animal and plant. The animal corresponds more closely to the character of the man, the plant to that of the woman.” – G.W.F. Hegel: Philosophy of Right, 1896, p. 172 (paragraph 166), London.